EMDR bei Kindern und Jugendlichen
Manche Erlebnisse können Kinder und Jugendliche noch lange beschäftigen – auch dann, wenn sie schon einige Zeit zurückliegen. Ein Unfall, eine belastende medizinische Behandlung, der Verlust eines geliebten Menschen, Mobbing oder andere sehr belastende Erfahrungen können dazu führen, dass Erinnerungen, Gefühle oder körperliche Reaktionen immer wieder auftauchen. Manche Kinder und Jugendliche werden ängstlicher, ziehen sich zurück, schlafen schlechter oder reagieren in bestimmten Situationen plötzlich sehr stark.
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine psychotherapeutische Methode, die dabei helfen kann, belastende Erlebnisse zu verarbeiten und die damit verbundenen emotionalen Reaktionen zu verringern.
Was ist EMDR?
Bei belastenden Erfahrungen kann es vorkommen, dass die Erinnerung nicht so verarbeitet und abgespeichert werden wie andere Erlebnisse. Bestimmte Bilder, Gedanken, Gefühle oder Körperempfindungen können sich dadurch weiterhin sehr gegenwärtig anfühlen, obwohl die Bedrohung vorüber ist. EMDR unterstützt den Verarbeitungsprozess, indem die Aufmerksamkeit während der Erinnerung an das belastende Ereignis gleichzeitig auf einen äußeren Reiz gelenkt wird. Dies geschieht häufig durch geleitete Augenbewegungen, kann bei Kindern und Jugendlichen aber auch über andere Formen der bilateralen Stimulation erfolgen, beispielsweise durch leichte Berührungsreize. Dabei wird nicht das belastende Erlebnis „gelöscht“. Vielmehr kann sich die Erinnerung mit der Zeit verändern: Sie kann weniger überwältigend werden und ihren belastenden Charakter verlieren. Häufig entsteht mehr Abstand zu dem Erlebten und es können neue, hilfreichere Gedanken und Gefühle entstehen.
Wie wird EMDR bei Kindern und Jugendlichen angewendet?
EMDR wird immer an das Alter, den Entwicklungsstand und die individuellen Bedürfnisse des Kindes oder Jugendlichen angepasst. Vor einer EMDR-Behandlung steht zunächst das gegenseitige Kennenlernen und eine sorgfältige diagnostische und therapeutische Einschätzung. Gemeinsam schauen wir, was das Kind oder der Jugendliche erlebt hat, was heute noch belastet und welche Unterstützung benötigt wird. Ebenso wichtig ist es, zunächst ausreichend Sicherheit und Stabilität aufzubauen. Wenn EMDR geeignet ist, wird die Vorgehensweise verständlich erklärt und gemeinsam ausprobiert. Das Kind oder der Jugendliche behält dabei jederzeit die Kontrolle über den Prozess. Wir arbeiten in kleinen, gut dosierten Schritten und achten darauf, dass die Verarbeitung nicht überfordernd wird.
EMDR kann beispielsweise eingesetzt werden bei:
- belastenden oder traumatischen Erlebnissen,
- Unfällen oder medizinischen Eingriffen,
- Verlust- und Trennungserfahrungen,
- Gewalterfahrungen oder anderen einschneidenden Erlebnissen,
- Mobbing und starken sozialen Belastungen
Nicht jedes belastende Erlebnis muss mit EMDR behandelt werden. Ob diese Methode im individuellen Fall sinnvoll ist, klären wir gemeinsam im Rahmen der therapeutischen Gespräche.