Was ist Verhaltenstherapie?

 

Wenn Kinder oder Jugendliche über längere Zeit traurig, ängstlich oder sehr angespannt sind, sich zurückziehen, häufig wütend werden oder Schwierigkeiten in der Schule und im Alltag haben, kann das für die ganze Familie belastend sein. Oft wissen alle Beteiligten irgendwann nicht mehr, was sie noch ausprobieren können.

Verhaltenstherapie bietet einen Rahmen, um gemeinsam zu verstehen, was hinter den Schwierigkeiten steckt und welche Veränderungen helfen können. Dabei geht es nicht darum, das Verhalten einfach abzustellen. Vielmehr schauen wir gemeinsam darauf, was die Kinder und Jugendlichen denken, fühlen und erleben, wie sie auf bestimmte Situationen reagieren und was ihnen dabei hilft, wieder mehr Sicherheit und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen.


Wie funktioniert Verhaltenstherapie?

Verhalten, Gedanken, Gefühle und körperliche Reaktionen beeinflussen sich gegenseitig. Wenn beispielsweise ein Kind Angst vor der Schule hat, kann die Angst dazu führen, dass es morgens Bauchschmerzen bekommt und lieber zu Hause bleiben möchte. Das Fernbleiben bringt kurzfristig Erleichterung – langfristig kann die Angst dadurch jedoch größer werden. In der Verhaltenstherapie betrachten wir solche Zusammenhänge gemeinsam und entwickeln Schritt für Schritt neue Möglichkeiten, mit schwierigen Situationen umzugehen.

Dabei können – je nach Alter und Anliegen – beispielsweise folgende Elemente eine Rolle spielen:


  • das eigene Verhalten und Gefühle besser verstehen lernen,
  • Ängste und Sorgen schrittweise bewältigen,
  • Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl stärken,
  • hilfreiche Strategien im Umgang mit Stress und starken Gefühlen entwickeln,
  • schwierige Situationen üben und neue Erfahrungen machen,
  • belastende Gedanken überprüfen und verändern,
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen kennenlernen,
  • soziale Fähigkeiten und den Umgang mit Konflikten stärken,
  • Eltern und andere wichtige Bezugspersonen einbeziehen.

Bei Kindern findet Verhaltenstherapie häufig spielerisch und kreativ statt. Je nach Alter können beispielsweise Geschichten, Zeichnungen, Rollenspiele oder andere altersgerechte Methoden eingesetzt werden. Jugendliche werden zunehmend direkt und eigenverantwortlich in den therapeutischen Prozess einbezogen. Auch die Eltern spielen eine wichtige Rolle. Gemeinsam können wir überlegen, wie Sie ihr Kind im Alltag unterstützen können und welche Veränderungen im familiären Umfeld hilfreich sein können.

 

Bei welchen Schwierigkeiten kann Verhaltenstherapie helfen?

Verhaltenstherapie wird bei vielen psychischen und psychosomatischen Beschwerden im Kindes- und Jugendalter eingesetzt, unter anderem bei:


  • Ängsten und Phobien, beispielsweise Angst vor Trennung, Schule, bestimmten Situationen oder Tieren
  • sozialen Ängsten und Unsicherheiten im Kontakt mit anderen
  • Zwangsgedanken und Zwangshandlungen
  • depressiven Verstimmungen, 
  • starkem Rückzug oder anhaltender Niedergeschlagenheit
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen
  • Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, beispielsweise sehr starken Wutanfällen
  • Selbstwertproblemen und ausgeprägter Selbstunsicherheit
  • schulbezogenen Schwierigkeiten
  • Schlafproblemen
  • psychosomatischen Beschwerden, wenn körperliche Symptome mit psychischen Belastungen zusammenhängen
  • Belastungsreaktionen nach schwierigen oder traumatischen Erfahrungen

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt immer vom einzelnen Kind oder Jugendlichen ab. Deshalb steht am Anfang nicht eine bestimmte Methode, sondern zunächst das gemeinsame Verstehen der individuellen Situation.


Gemeinsam Schritt für Schritt

Verhaltenstherapie ist eine aktive Therapieform. Sie findet nicht nur im Therapieraum statt, sondern soll Kindern und Jugendlichen dabei helfen, das Gelernte auch im Alltag anzuwenden. Dabei geht es nicht darum, alles auf einmal zu verändern. Oft sind es kleine Schritte, die langfristig einen großen Unterschied machen: wieder etwas zu unternehmen, das bisher vermieden wurde, einen Streit anders zu lösen, eine schwierige Situation auszuhalten oder sich selbst mit mehr Verständnis zu begegnen.


Mein Ziel ist es, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre eigenen Stärken zu entdecken, neue Erfahrungen zu machen und wieder mehr Vertrauen in sich selbst und ihre eigenen Möglichkeiten zu entwickeln.